Die Vojta-Therapie

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Die Vojta Therapie wird bei Störungen des Haltungs- und Bewegungsapparates, ins Besondere, wenn sie durch Hirnfunktionsstörungen verursacht werden, eingesetzt. Hierbei ist es besonders wichtig, möglichst früh mit der Behandlung zu beginnen.

Die Vojta-Therapie wird bei Säuglingen, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen angewandt. Frank Steffes absolvierte 1994 bei Vaclav Vojta persönlich die Ausbildung. Dieser immense Erfahrungsschatz prägt seine Vojta-Therapien bis heute.

Angeborene Bewegungsmuster

Bei der Vojta- Methode werden „normale“ Bewegungsabläufe wie Greifen, Aufrichten und Laufen nicht primär gelernt, geübt und trainiert. Die Vojta-Therapie regt vielmehr das Gehirn an, „angeborene, gespeicherte Bewegungsmuster“ zu aktivieren und als koordinierte Bewegungen in die Rumpf- und Gliedmaßenmuskulatur zu exportieren.

Bausteine der menschlichen Fortbewegung

Mit der so genannten Reflexfortbewegung hat Vojta eine Methode entwickelt, die elementare Bewegungsmuster auch bei Menschen mit geschädigtem Zentralnervensystem und Bewegungsapparat zumindest in Teilbereichen wieder zugänglich macht. Dazu übt der Therapeut beim Patienten in Bauch-, Rücken- oder Seitenlage einen gezielten Druck auf bestimmte Körperzonen aus. Dieser Reiz führt bei Menschen jeden Alters „reflexartig“ zu zwei Bewegungskomplexen, in denen alle „Bausteine“ der menschlichen Fortbewegung enthalten sind: „Reflexkriechen“ und „Reflexumdrehen“. Diese Bewegungskomplexe können unabhängig vom Willen des Patienten aktiviert werden.

Effekt der Aktivierung

Beide Bewegungskomplexe enthalten die für jede Fortbewegung elementaren Komponenten: Automatische Steuerung des Gleichgewichts bei Bewegungen („posturale Steuerung“), Aufrichtung des Körpers gegen die Schwerkraft und zielgerichtete Greif- und Schrittbewegungen der Gliedmaßen(„phasische Beweglichkeit“). Es wird angenommen, dass durch wiederholtes Auslösen dieser „reflexartigen“ Bewegungen es gewissermaßen zu „Freischaltungen“ oder Neubahnungen innerhalb funktionell blockierter nervlicher Netzwerke zwischen Gehirn und Rückenmark kommt. Der Effekt: Die bei spontanen Handlungen im Alltag benötigten unbewusst eingesetzten Muskelfunktionen besonders an der Wirbelsäule, aber auch an Armen und Beinen, Händen und Füßen sowie im Gesicht, werden therapeutisch in den bekannten angeborenen Bewegungskomplexen angebahnt und aktiviert. Je nach Krankheitsbild wird dadurch eine positive Veränderung der spontanen Haltung und Bewegung erreicht. So gewinnt der bewegungsgestörte Patient auch bessere Fähigkeiten zur Kontaktaufnahme und Kommunikation.

Je früher desto besser

Die Vojta-Therapie kann von Geburt an bis ins hohe Alter durchgeführt werden – allerdings mit unterschiedlichen Zielsetzungen:

  • Bei Säuglingen ist das Zentralnervensystem noch sehr formbar. Die jeweiligen Nervenbahnen im Gehirn sind oftmals lediglich blockiert, stehen aber grundsätzlich. Die abnormalen Bewegungen /Ersatzmuster), die durch das ständige, aber pathologisch begrenzte Bemühen des Säuglings um Kontaktaufnahme, Aufrichtung und Fortbewegung entstehen, haben sich noch nicht festgesetzt.
  • Bei Kleinkindern, Schulkindern und Jugendlichen kann die Therapie den Reifungs- und Wachstumsprozess noch günstig beeinflussen.
  • Bei Erwachsenen steht der erneute Zugriff auf ehemals gesunde Bewegungsmuster mit dem Ziel der Vermeidung von Folgeerscheinungen wie Schmerzen, Einschränkungen von Funktionalität und Kraft im Vordergrund.

Die umfassende Wirkung

Die dargestellten Bewegungsabläufe der Reflexlokomotion nach Vojta enthalten die grundlegenden Bewegungsmuster, die in der normalmotorischen Individualentwicklung zur menschlichen Haltung und Bewegung eingesetzt werden. Jeder Patient muß individuell entsprechend seiner Grunderkrankung und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten und Grenzen behandelt werden. Von dem geschilderten breiten Wirkungsspektrum der Vojta-Methode profitieren Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen, wie z.B. zerebrale Parese, Skoliosen der Wirbelsäule oder Hüftdysplasien und Luxationen. Selbst bei ausgeprägten zerebralen Bewegungsstörungen werden Aufrichtungsbewegungen und kommunikative Fähigkeiten deutlich positiv beeinflusst und verändert. Die Wirkung der Vojta-Therapie kann beim Patienten insbesondere folgende Bereiche erfassen:

Skelettmuskulatur

  • Die Wirbelsäule wird segmental gestreckt und gedreht und ist funktionell beweglicher.
  • Der Kopf kann freier bewegt werden.
  • Es kommt zur Zentrierung der Gelenke. Das wird vor allem an den Schlüsselgelenken Hüfte und Schulter sichtbar. Dadurch werden Fehlhaltungen vermindert.
  • Die Hände und Füße lassen sich gezielter und umfangreicher für Greif- und Stützfunktionen einsetzen.     
  • Gesichts- und Mundbereich
  • Saug-, Schluck- und Kaubewegungen werden erleichtert.
  • Die Augen können unabhängig vom Kopf und zielgerichteter bewegt werden.
  • Die Stimme wird lauter und kräftiger.
  • Der Zugriff auf die Sprache wird erleichtert und die Aussprache wird verständlicher.

Atemfunktion

  • Der Brustkorb weitet sich.
  • Die Atmung wird tiefer und konstanter.

Vegetatives Nervensystem

  • Die Haut wird besser durchblutet.
  • Der Schlaf-Wachrhythmus verbessert sich.
  • Die regulierenden Funktionen von Darm und Harnblase werden aktiviert.

Wahrnehmung

  • Die Gleichgewichtsreaktion wird verbessert.
  • Die Orientierung im Raum wird besser.
  • Die Empfindungen – kalt, warm, spitz oder stumpf – werden stärker bzw. genauer.
  • Die eigene Körperwahrnehmung wird eindeutiger.
  • Das Erkennen von Formen und Strukturen ausschließlich durch Betasten (Stereognosie) wird besser.
  • Die Konzentrationsfähigkeit wird ausdauernder und flexibler.

Psyche

  • Der Patient wirkt ausgeglichener, zufriedener und ist emotional belastbarer.

Vielseitig einsetzbar

Die Vojta-Therapie kann als Basistherapie im Bereich Physiotherapie bei praktisch jeder Bewegungsstörung und zahlreichen Erkrankungen eingesetzt werden, z.B.:

  • bei zentralen Koordinationsstörungen im Säuglingsalter
  • bei Bewegungsstörungen als Folge von Hirnschädigungen (Zerebralparesen)
  • bei peripheren Lähmungen der Arme und Beine (z.B. Plexusparesen, Spina bifida u.a.)
  • bei verschiedenen Muskelerkrankungen
  • bei Erkrankungen und Funktionseinschränkungen der Wirbelsäule, z.B. Wirbelsäulenverkrümmungen (Skoliose)
  • bei orthopädisch relevanten Schädigungen der Schulter und der Arme, der Hüfte und der Beine - insbesondere im Wachstum
  • zur Mitbehandlung von Fehlentwicklung der Hüfte (Hüftdysplasie / -luxation)
  • bei Problemen der Atmungs-, Schluck- und Kaufunktionen

Die Vojta-Therapie darf nicht angewandt werden bei:

  • akuten fieberhaften bzw. entzündlichen Erkrankungen
  • speziellen Erkrankungen wie z.B. Glasknochenkrankheit
  • bestimmten Herz- und Muskelerkrankungen
  • Schwangerschaft